Der Timbrado Gesang

Seine Vielfalt und Variationen

 

In Spanien gibt es mehrere Organisationen von Vogelliebhabern, die beiden wichtigsten jedoch sind die FOCDE und die FOE. Diese Organisationen haben unterschiedliche Bewertungskriterien und Bewertungsschemen für den Timbrado - Gesang. Die größte Organisation ist die FOCDE, die älteste ist die A.C.E., die sich mit Ihrem festgelegten Bewertungsschema auch eindeutig bei der COM durchgesetzt haben.

 

Der Gesang des Timbrado und die Bewertung beinhaltet folgende Faktoren:

 

die Anzahl/ Menge der Töne oder Melodien

die unterschiedlichen und unzähligen Variationen und Verbindungen der Töne insbesondere der Doppelklang, der in etlichen Kombinationen erklingen kann, als Echo oder auch als ob zwei Vögel gleichzeitig singen.

die Art und der Klang des Gesanges, so dass dieser „süß und lieblich“ und angenehm im Ohr klingt, ohne Schrille, zu harte oder sehr spitze Töne, die unserem Ohr nur Schaden.

eine gute Harmonie und  Verbindung der Töne während des Gesanges

eine Harmonie im Gesang von Vögeln die sich als Stamm präsentieren

schrille, kratzende oder nasale Töne, die als fehlerhaft gelten und entsprechend negativ bewertet werden müssen.

 

Der Timbrado-Gesang kann von einem zum anderen Vogel gänzlich verschieden sein, d. h. es können die unterschiedlichsten Klangvariationen gesungen werden und auch ein größeres oder unterschiedliches oder mit mehr oder weniger Tönen zusammengefasstes Klangbild hervorgebracht werden. Der Vogel mit der besseren Qualität der einzelnen Touren und größeren Anzahl von Tönen, Touren und Variationsbreite im Gesang wird selbstverständlich die bessere Bewertung erfahren.

 

Es ist unabdingbar, eine adäquate musikalische Qualität innerhalb des Repertoires des Timbrados-Gesanges zu erlangen. Dafür sucht man den angenehmen Gesang, der Harmonie ausstrahlt und die Noten des Repertoires leicht zusammenfasst, wobei die harten und schrillen, hohen und verletzenden Töne abgelehnt werden, speziell die überstarken Töne, die die Sensibilität unseres Gehörs verletzen. Dafür ist es sehr wichtig, dass der Kanarienvogel innerhalb der Struktur der Noten oder Töne die entsprechenden Silben für jede Melodie artikuliert und benutzt und dass sein Gesang flüssig und schön erscheint, indem man sehr darauf achtet, dass jede Melodie, die unser Gehör verletzt nicht erwünscht ist und man für seine Beseitigung durch Selektion bei der Zucht sorgen muss.

Wegen der großen Vielfalt im Gesang, die die Timbrados hervorbringen können, abhängig von deren Abstammung oder Herkunft und auch abhängig von den Vorlieben des Züchters, bzw. seiner Zuchtrichtung erscheint es sehr schwierig, sie nach konkreten Gesangsnormen zu klassifizieren. Darüber hinaus unterliegen diese Sänger auch weiterhin einem Entwicklungsprozess, der die Perfektion der existierenden Töne und Touren beinhaltet sowie das Auftreten von neuen Gesängen oder Tönen, um die die Züchter bemüht sind.

 

 

 

Im allgemeinen kann man den Gesang des Timbrado in zwei Richtungen klassifizieren. Die „Trockene“ und die „Wasser“-Richtung“. Aus der „trockenen Richtung“ ergeben sich wiederum zwei Varianten mit eigenen und unterschiedlichen Charakteristiken:

die stark metallische Variante, die eine große metallische Klangfülle in den

    meisten Tönen besitzt

und

    die hohle Variante mit hohleren Klängen und Tönen und mit weniger

Metallgehalt.

Ursprünglich war eine der wichtigsten Charakteristiken des Timbrado-Gesangs, der ihn vor vielen Jahren bekannt machte die metallische Klangfülle, weil fast ausschließlich Vögel von der trockenen, metallischen Richtung. gezüchtet wurden.

 

Diese Gesangsrichtung ist in der Lage, wenn sie rein und ausgewählt ist, auch wunderhübsche Klänge von unterschiedlichem Repertoires hervorzubringen. Diese Richtung ist der Ursprung der aktuellen Bezeichnung „Timbrado Espanol“.

 

Die Variante mit trockenem, hohlem Gesang hat weniger Metallklang in den verschiedenen Touren und unterschiedlichen Variationen. Damit die „trockene“ Gesangsrichtung, sei sie metallisch oder hohl, rein ist, dürfen diese Touren kein Wasser enthalten.

 

Wassertouren werden im Bewertungsschema separat erfasst. Die Wassertouren sind jedoch nicht gleichzusetzen mit den Klängen der Wasserschläger, da dies ja genau die Spezialität dieser Gesangsrasse ist. Man muss auch beachten, dass der wässerige Gesang in den übrigen Touren des Repertoires des Timbrado Einfluss nimmt, indem er besänftigt und mehr Lieblichkeit vermittelt.

 

Innerhalb der erwähnten Gesangsrichtungen gibt es unendlich viele Melodien oder Variationen, die die Timbrados singen können. Dies ergibt sich speziell durch die Existenz der vielen verschiedenen Töne und zusammengefügten Touren, da diese unendliche grammatikalische Kombinationen ermöglichen. Obwohl, wie es logisch erscheint, es unmöglich ist, dass ein Exemplar all diese Kombinationen singen kann, wird immer in seinem Gesang eine größere Spezialisierung einiger Melodien existieren. Einige Melodien werden einen höheren Ausdruck erreichen, voller Wohlklang, und andere Melodien werden vergleichsweise minderwertig sein. Nur ganz außergewöhnliche Timbrados besitzen ein weites Repertoire in hervorragender Qualität, weshalb man die Präferenz der Qualität und nicht der Quantität der Töne zuordnen sollte. Es ist eher ein Timbrado mit weniger Repertoire zu bevorzugen, der jedoch eine hohe Qualität von bestimmten Touren erreicht, als ein Vogel, der sehr viele Touren und Töne beherrscht, doch in der Mehrzahl derer mittelmäßig ist. Um dies zu erreichen bietet das heutige  Bewertungsschema eine große Bandbreite von Möglichkeiten dies in der Punktevergabe entsprechend auszudrücken.

Unser Bewertungsschema ermöglicht eine adäquate Bewertung eines Timbrado, der exzellente Varianten und Touren singt, auch wenn ihm einige der Touren fehlen sollten. Dies bedeutet, dass auch ein Vogel der nicht alle der gewünschten Touren singt, aber diejenigen, die er singt, in so hervorragender Qualität, dass er durch eine entsprechend hohe Bewertung dieser hervorragend gesungenen Touren evtl. sogar der Siegervogel werden kann.

 

 

Das Bewertungsschema soll also ermöglichen, dass die Qualität und Klassifikation der gesungenen Touren in einem Wettkampf höher bewertet werden können als die eines Vogels, der alle Touren des Bewertungsschemas bringt, aber die meisten davon in einer geringeren Qualität. Im spanischen Volksmund nennt man diese Vögel auch„Punktediebe“, da sie in allen Wettkämpfen Punkte sammeln, aber in keinen Touren des Gesangs durch besondere Qualität bestechen und der  Gesang in jeder Tour nur mittelmäßig ist.

Unser Bewertungsschema eröffnet also die Möglichkeit, die Qualität der einzelnen Touren durch entsprechende Anerkennung in der Höhe der Punktvergabe laufend zu verbessern.

Wenn es dann noch gelingt, möglichst viele oder gar  alle Touren des Liedes in exzellenter Qualität zu präsentieren, haben wir unser Ziel erreicht.

Dies waren die wichtigsten Gründe der Einführung eines neuen und aus meiner Sicht sehr intelligenten Bewertungsschemas im Jahre 1995 auf Basis der hier angeführten  Darlegungen durch die FOCDE. Es wurde im Januar 1995 offiziell von der COM/OMJ in Udine/ Italien beschlossen.

Die andere spanische Organisation FOE hat sich bis heute schwer getan sich dieser Meinung und dieser Entscheidung anzuschließen. Schließlich nun konnte ich gerade jedoch in den letzten zwei Jahren beobachten, dass diese „süße“ und „liebliche“ Gesangsrichtung durch ihre Qualität im Gesang auch einige hartnäckige Kritiker der anderen Organisation (FOE) überzeugen konnte.

 

Die erwähnten unterschiedlichen Vögel mit unterschiedlichen Gesängen werden uns in der Praxis also begegnen. Es gibt mittlerweile Timbrados, die in der Lage sind, metallische, hohle und trockene Töne zu singen und diese hervorragend kombinieren können mit den Wassertouren.

Solche außergewöhnlichen Exemplare von Timbrados  haben wir bereits, sie singen sehr  variabel einen Teil des Repertoires sehr metallisch und den anderen Teil in exzellenten Wassertouren. Dieser Gesang ist wunderbar und beeindruckend und so findet der Timbrado laufend neue Liebhaber.

Die hier dargelegten Erläuterungen entstammen überwiegend aus Veröffentlichungen in Spanien und aus Gesprächen mit spanischen Timbrado-Preisrichtern sowie den zwischenzeitlich gesammelten Erfahrungen.